28.07
2016
28.07.2016 - News

Arbeiten wie Benedikt

Ständige Erreichbarkeit, immer komplexere Aufgaben: Wie Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt erfolgreich sind, diskutierten Experten aus Wirtschaft und Arbeitsvermittlung beim BTZ-Talk in Wiesloch.

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Das Ding, das den Wandel der Arbeitswelt am besten zeigte, war kaum größer als ein Tabletcomputer, allerdings viel dicker und schwerer. „Das war unser erster Serverbildschirm im Unternehmen“, sagte Barbara Amann und hielt einen kleinen, massiven Röhrenmonitor hoch. „Das ist 20 Jahre her.“ Zwei Jahrzehnte, in denen sich die Welt rasant verändert hat: Leistungsstarke Computer passen heute in die Hosentasche, die Heizung im Haus lässt sich von unterwegs steuern und arbeiten kann man überall – im Zug, am Strand, zu Hause.

Wie verändert dieser Wandel unsere Art der Arbeit, wie können sich Mitarbeiter und Unternehmen darauf einstellen? Das diskutierten Unternehmer, Arbeitsvermittler und Forscher beim Talk des Beruflichen Trainingszentrums der SRH in Wiesloch (BTZ).  Die Moderatoren Barbara Amann, Leiterin Bildung und Vermittlung, und Benedikt Mazharul, Jobcoach im BTZ Stuttgart, hatten dazu Kooperationspartner aus Wirtschaft und Gesundheit in die Corporate University des Unternehmens MLP eingeladen.

Technische Veränderung brachte schon immer Befürchtungen mit sich, aber auch Chancen, zeigte der Kommunikationswissenschaftler Dr. Dieter Klumpp in seinem Impulsvortrag. „Die Angst vor der Rationalisierungspeitsche, dass Technik Arbeitsplätze vernichtet, gab es vor 40 Jahren schon. Aber: Es gibt keine Alternative zur Industrie 4.0, deshalb müssen wir uns intensiv aus- und fortbilden. Computer als Arbeitswerkzeuge übernehmen zwar viele Tätigkeiten, schaffen aber auch neue Stellen.“

Winfried Rothermel weiß, wie das funktioniert. Der Chef einer Heidelberger Druckerei war schon fast in Rente, da machte die Digitalisierung einen radikalen Umbau nötig. Ständige Erreichbarkeit in einer Zeit, in der Arbeits- und Privatleben immer mehr verschwimmen, empfindet er als Segen für seine Branche: „Bevor es Handy und Mails gab, stand ich den ganzen Tag in der Druckerei und musste abends die Anrufe abarbeiten. Heute kann ich viel zwischendurch erledigen. Es kommt auf die Einstellung an: Wenn die Arbeit Spaß macht, kann ich auch mal abends zu Hause ein Kundengespräch führen.“

„Mir macht meine Arbeit auch Spaß, trotzdem muss ich nicht ständig erreichbar sein“, hielt Barbara Riedel (Name geändert) dagegen. Die Absolventin des BTZ Stuttgart hat lange in der Altenpflege gearbeitet und dazu den kranken Vater gepflegt, dann streikte die Psyche. Im BTZ lernte sie, wieder Fuß zu fassen und arbeitet jetzt als Tagungssekretärin in einem Weiterbildungsunternehmen, 80 Prozent fest, 20 Prozent befristet. Solche Modelle nehmen zu: „Früher musste man um Teilzeitstellen kämpfen, heute darum, Vollzeit arbeiten zu können“, merkte sie kritisch an.

Diese vertragliche Flexibilisierung hält auch Thomas Neuschwander, Betriebsrat beim Softwareunternehmen SAP, für zwiespältig. Er plädierte für „Work-Life-Blending“, bei dem die Mitarbeiter selbstbestimmt entscheiden, wann und wo sie arbeiten. „Das verlangt Freiheit und Selbstbestimmung. Doch flexibel arbeiten heißt, bewusst arbeiten – dann können Sie ein Meeting auch mal zur Meditation nutzen, indem Sie sich nur auf Ihren Atem konzentrieren“, schmunzelte er.

„Wer weiß, wohin er möchte und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen ist, tut sich mit Veränderungen, etwa durch Krankheit oder Unfall, leichter“, ergänzte Martina Zeitler-Decker von der Deutschen Rentenversicherung. „Deshalb setzen wir stärker auf Prävention und arbeiten mit Unternehmen, um die Mitarbeiter für die eigenen Bedürfnisse zu sensibilisieren.“ Selbstwahrnehmung sei heute besonders wichtig, pflichtete Barbara Riedel bei. „Denn ganz ehrlich: Psychische Erkrankungen kommen nicht alleine vom schlechten Arbeitsplatz, ich muss auch meine privaten Baustellen kennen.“

Dieses Prinzip hätte schon vor 1.500 Jahren der Gründer des Benediktinerordens erkannt, lautete das Fazit von BTZ-Geschäftsführer Franz-Thomas Gann. „Ora et labora – bete und arbeite. Nur wer zwischendurch in sich geht, kann gut arbeiten, auch in der modernen Arbeitswelt!“

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Christian Haas

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